Wartung von Sicherheitskameras – wen interessiert das?

Timo Sachse

Die Wartung von Sicherheitskameras ist vielleicht nicht gerade ein sexy Thema, aber zweifellos eines der wichtigsten. Ohne regelmäßige und sorgfältige Wartung – sowohl digital als auch physisch – lässt die Qualität der Videobilder nach, und das Risiko eines Ausfalls – oder anders ausgedrückt das eines unbrauchbaren Bildes – steigt.

Die Notwendigkeit der ‚digitalen‘ Wartung von Sicherheitskameras – insbesondere durch die rechtzeitige Anwendung von Firmware- und Software-Upgrades – ist allgemein bekannt, da sie für die Aufrechterhaltung und Überwachung der Leistung und für eine wirksame Cybersicherheit notwendig ist. Die physische Wartung von Kameras, die für Videoanalysen und Beweissicherung nicht weniger wichtig ist, bekommt weit weniger Aufmerksamkeit – meist schlicht gar keine.

Die physische Kamerawartung wird gerne vergessen

Unserer Erfahrung nach wird die physische Wartung von Sicherheitskameras nur selten spezifiziert, geschweige denn dokumentiert. Was im Endeffekt dazu führen kann, dass die Kamera ihrer Aufgabe im System nicht mehr gerecht wird.

Ein Grund dafür mag sein, dass diese Kameras in der Regel nicht in den Bereich der Wartung anderer physischer Infrastrukturen fallen, z. B. der Fensterreinigung oder der allgemeinen Gebäudewartung. Auch wenn viele IP-Kameras (wenn auch nicht alle) für die Fensterputzer leicht zu erreichen sind, werden sie selten, wenn überhaupt, mit der Reinigung der Kameras beauftragt.

Diese Kameras sind so konstruiert, dass sie extremen Witterungsbedingungen standhalten, aber sie sind eben nicht resistent gegen Verschmutzung.
Die Hersteller haben ebenfalls eine große Verantwortung in diesem Themenbereich. Wir sollten mehr Verantwortung für die Bereitstellung von Anweisungen und Leitlinien für die physische Wartung übernehmen, einschließlich Spezifikationen für Reinigungsmittel und -materialien.

Schlecht gewartete Sicherheitskameras

Das Konzept für die physische Wartung von Kameras muss verbessert werden, wenn sie 24/7 ihr volles Potenzial gewährleisten sollen.

Es liegt auf der Hand, dass eine Hauptanforderung an Kameras eine klare Sicht auf die Szene ist. Alles, was diese Sicht behindert, beeinträchtigt die Leistung, und dies wird in einer Welt, in der zunehmend Edge-Analysen eingesetzt werden, noch weit wichtiger.

Bis zu einem gewissen Grad können menschliche Bediener mit Ansichten von Szenen umgehen, die ‚gut genug‘ sind. Wenn es jedoch um detaillierte Untersuchungen nach einem Vorfall geht, können schlechte Bilder die teuerste Technik sinnlos machen. Ein Bediener ist zwar durchaus in der Lage, Fahrzeuge an einem Ort zu erkennen, aber wenn bei der Untersuchung eines Vorfalls ein Nummernschild oder ein anderes Detail nicht mehr erkennbar sind, reduziert sich die Relevanz der Anlage deutlich.

Die Edge-Analyse in Kameras bedeutet auch, dass die Bilder auf eine völlig andere Weise ‚betrachtet‘ werden. Analysen betrachten Daten, während Menschen Bilder betrachten – und die Auswirkungen von zu schlechten Bildern können enorm sein. Es gibt keine Möglichkeit für einen Algorithmus, eine teilweise verdeckte Ansicht zu ‚umgehen‘. Sinken die Details eines Objektes, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit der Analyse diesen korrekt zu klassifizieren. Ein Mensch oder Fahrzeug werden so schnell falsch oder gar nicht klassifiziert.

Für menschliche Anwender (und natürlich ebenso für die Videoanalyse) können sich die Probleme bei Nacht und schlechten Lichtverhältnissen noch verschärfen. In diesen Situationen verwenden Kameras Infrarotlicht (IR), um eine Szene zu beleuchten. Schmutz auf der Frontscheibe oder der Kuppelabdeckung einer Kamera, der tagsüber kaum sichtbar ist, kann das Bild in der Nacht aufgrund der Reflexionen des IR-Lichts drastisch beeinträchtigen.

Ebenso sind Spinnennetze bei hellem Tageslicht kaum sichtbar, aber nachts werden sie von der eingebauten IR-Beleuchtung der Kamera hell erleuchtet. Darüber hinaus kann ein Spinnennetz, das sich sanft im Wind wiegt, zu einem enormen Anstieg der Bitrate und der damit verbundenen Bandbreite und des Speicherbedarfs führen. Moderne KI-Analysen werden es schwer haben, ihre Aufgabe zu erfüllen, da die interessanten Objekte durch die Fäden des Netzes verdeckt werden.

Ein Mangel an regelmäßiger physischer Wartung kann sich auch über die Bildqualität hinaus auswirken. Eine Ansammlung von Schmutz und Staub in einer Kamera oder sogar Insekten, die sich in den Belüftungskanälen der Kamera einnisten, können ebenfalls zu Überhitzungsproblemen und möglicherweise zum Ausfall von Komponenten führen, wenn sie nicht behandelt werden.

Das mag reichlich theoretisch und weit hergeholt klingen. Da die Geräte aber mit immer mehr Rechenleistung ausgestattet werden, steigt auch die Wärmeentwicklung im Inneren. Die Notwendigkeit einer ausreichenden Kühlung ist von elementarer Bedeutung.

Hilfe bei der physischen Instandhaltung

Es gibt einige Möglichkeiten, die physische Wartung von Kameras zu einer Priorität zu machen, anstatt sie zu vernachlässigen, und jeder in der Wertschöpfungskette spielt dabei eine Rolle:

  • Planer von Sicherheitslösungen können die Wartung entsprechend den Umgebungsbedingungen des Standorts im Allgemeinen und der einzelnen Kameras im Besonderen festlegen.
  • Die Endanwender können auf ihre etablierten, effektiven und vor allem bereits finanzierten Wartungsprozesse zurückgreifen. Das Reinigen von Fenstern UND Kameras ist nicht sehr kompliziert zu implementieren.
  • Die Hersteller sollten die Wartungsthemen in der Benutzerdokumentation angeben. Darüber hinaus kann eine simple Bildanalyse eingesetzt werden, um Probleme so früh wie möglich zu erkennen und die regelmäßige Wartung zu unterstützen. Es sollten Wartungs-Dashboards erstellt werden, die Aufgabenlisten mit Anweisungen und spezifischen Kamerapositionen usw. generieren.

Ein proaktiverer Ansatz bei der physischen Wartung von Kameras sorgt nicht nur dafür, dass sie für den Zweck, für den sie installiert wurden, tauglich bleiben, sondern kann auch zu betrieblichen Effizienzsteigerungen führen. Die Kameras werden dann gewartet, wenn es nötig ist. Dies kann sehr unterschiedlich an den unterschiedlichen Installationsorten einer Anlage sein.

Sicherheitskameras stellen für jedes Unternehmen eine bedeutende Investition dar. Wenn sich diese Investition über eine möglichst lange Produktlebensdauer auszahlen soll, ist eine effektive physische Wartung unerlässlich.

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