Überwachungstechnik, so blind wie eine Fledermaus

Timo Sachse

Es ist ein Mythos, dass Fledermäuse schlecht sehen. Tatsächlich sehen einige Arten sogar außergewöhnlich gut. Aber was es einer Fledermaus letztendlich ermöglicht, sich perfekt in ihrer Umgebung zu orientieren und so sicher durch den Wald zu „navigieren“, ist ihr hoch entwickeltes Echo-Ortungssystem. Auch kann sie Hindernisse von Beutetieren in ihrer unmittelbaren Umgebung unterscheiden. Diese natürliche Schall-Navigation ermöglicht es Fledermäusen, ihre Umwelt auch in völliger Dunkelheit durch die Echos ihrer eigenen hochfrequenten Schreie zu „sehen“. In der Radartechnik wird diese Idee in ähnlicher Weise eingesetzt, mit dem Ziel, bewegte Objekte trotz schwacher Beleuchtung oder absoluter Dunkelheit zu erkennen.

Definition der Radartechnik

Bei Radarsystemen denkt man häufig an High-Tech-Radargeräte des Militärs. Im zivilen Bereich unterstützen sie kommerzielle Sicherheitssysteme oder Anwendungen wie Wettervorhersagen, Straßenverkehrsüberwachungssysteme und Kollisionsschutz in der Luft- und Schifffahrt. Inspiriert durch die Verwendung für autonome Fahrzeuge in der Automobilindustrie, integrieren Sicherheitsunternehmen Radardetektoren in ihr Portfolio. So können IP-Video-Lösungen sinnvoll erweitert werden. Diese sogenannte „nicht-visuelle“ Erkennung liefert genaue Daten über Geschwindigkeit, Position und Bewegungsrichtung eines Objekts.

Radar wird als „nicht-visuelle“ Technologie bezeichnet, da Objekte nicht optisch erkannt, sondern nur über die Signalreflektion erfasst werden. Ein Radardetektor sendet elektromagnetische Wellen aus und empfängt deren Echo. Treffen die ausgesendeten Wellen auf ein bewegtes Objekt, werden sie reflektiert und vom Radargerät erfasst und ausgewertet. So kann die Technologie Informationen über die Position eines Objekts liefern und dessen Geschwindigkeit, Größe und Bewegungsrichtung bestimmen. Gleichzeitig können PTZ-Kameras mit Hilfe der Positionsinformationen vom Radardetektor dem Objekt automatisch folgen. Mit Hilfe dieser visuellen Überprüfung ist es einfach zwischen Menschen, Tieren, Fahrzeugen und anderen Objekten zu unterscheiden.

Vorteile der Radarerfassung

Technologien, die eine manuelle Verifizierung durch Mitarbeiter überflüssig machen, helfen Unternehmen Kosten zu sparen. Eindringende Objekte werden durch Radar automatisch und ohne Personalaufwand erkannt.

Bewegungserkennung mit Hilfe von Radar unterscheidet sich ganz prinzipiell von der Video-basierten Lösung. Im Fall von Radar stützt sich die Erkennung auf der Reflektion der elektromagnetischen Wellen, während bei der Video-basierten Technik Pixeländerungen im Bild zur Erkennung dienen. Um den Unterschied besser zu verstehen muss man betrachten, was vom Radar nicht erkannt wird. Lichtreflektionen, Insekten, Regen oder Schneefall lösen bei der Video-basierten Bewegungserkennung einen Fehlalarm aus, das Radar ignoriert derartige Effekte.

Das Radargerät erlaubt die Unterscheidung der Größe eines Objektes. So lässt sich vermeiden, dass ein Alarm beispielsweise von einem Kaninchen, einer Katze oder anderen Kleintieren ausgelöst wird. Ein Mensch übersieht schnell ein Ereignis, wenn zum Beispiel die PTZ-Kamera in die falsche Richtung blickt, dem Radar entgeht dagegen kein Vorfall. Die Radartechnologie kann visuelle Überwachungssysteme also ergänzen und so zu einem genaueren und zuverlässigeren Sicherheitssystem beitragen.

In einem typischen Szenario erkennt das Radarsystem einen potentiellen Störenfried frühzeitig und startet zum Beispiel eine erste Videoaufzeichnung für das betroffene Areal. Ab jetzt wird der Eindringling kontinuierlich beobachtet und verfolgt. Sobald er einen vordefinierten Bereich mit hoher Priorität durchquert, lässt sich eine Alarmkette auslösen und andere Geräte im Netzwerk mit einbinden. Das Sicherheitsteam erhält zum Beispiel einen Live-Stream über den aktuellen Vorfall. Außerdem lassen sich Scheinwerfer einschalten und Warndurchsagen über ein Lautsprechersystem ausgeben, um so den Eindringling wissen zu lassen, dass er entdeckt und aufgenommen wird.

Radartechnik im Einsatz

Moderne Radarüberwachungssysteme funktionieren gut in weiten offenen Arealen mit mäßiger Aktivität. Große Geschäfte mit weitläufigen Außenbereichen, wie zum Beispiel Lagerhallen oder Lagerflächen im Freien, die nachts geschlossen sind, können von der Ergänzung ihrer Überwachungssysteme durch Radartechnik profitieren. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen kann die Technologie noch Objekte erkennen, die den Bereich passieren. Hier können die Radarinformationen helfen, bei einer Bedrohung eine Alarmkette auszulösen.

Das Radar kann eine PTZ-Kamera automatisch so steuern, dass sie das erkannte Objekt im Auge behält. Scheinwerfer können den Eindringling erschrecken und für eine bessere Bildqualität sorgen. Über einen Hornlautsprecher lassen sich Warnhinweise oder Alarmtöne abspielen, um so den Eindringling zu stoppen oder zu vertreiben. Auf Grund der höheren Zuverlässigkeit eines solchen Systems lassen sich die Kosten senken, denn eine zusätzliche Beleuchtung wird nur im Alarmfall benötigt, es ist weniger Wachpersonal notwendig und der Warenverlust durch Diebstahl wird eingedämmt.

Die Zukunft der Radarsysteme

Nicht-visuelle Technologien wie Radar stellen eine sinnvolle Ergänzung zur optischen und thermischen Videoüberwachung dar, mit dem Ziel, das Sicherheitssystem zu erweitern und zu optimieren.

 

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