Effiziente Verbrechensbekämpfung durch vernetztes Video

Epko van Nisselrooij

Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt haben das Ziel, die Sicherheit der Bürger zu garantieren. Neue Technologien machen die Arbeit für sie effizienter. Die Beispiele reichen hier vom Polizeifunk über Fingerabdruckdatenbanken bis hin zur DNA-Forensik. Doch nur wenige Technologien haben so große Fortschritte ermöglicht wie die heutigen intelligenten, vernetzten Videolösungen.

Schnelle Ergebnisse für die Strafverfolgung

Noch vor kurzem gehörte die brasilianische Stadt Vitória zu den 15 gewalttätigsten Metropolen der Welt. Innerhalb eines Jahres konnte durch eine Stadt- und Landesinitiative die Mordrate beispielsweise um 50 Prozent gesenkt und die Zahl der wiedergefundenen gestohlenen Fahrzeuge um 55 Prozent erhöht werden. Alles nur dank dem Einsatz von Netzwerk-Kameras.

Eine Strategie bestand darin, die Zusammenarbeit mit und den Austausch relevanter Daten zwischen verschiedenen Interessengruppen zu verbessern. Da die Netzwerk-Kameras an strategisch wichtigen Orten installiert waren, begannen Stadtpolizei, die Militärpolizei, die Feuerwehr und andere Behörden, Bilder und Videos auszutauschen. Der Stadtsicherheitsminister Frônzio Calheira fasst die Aktion wie folgt zusammen: „Die Videoüberwachung bringt mehr Kriminelle vor Gericht und erhöht das Sicherheitsgefühl der Bürger“.

Verbrechensbekämpfung mit drei Schwerpunkten

Effiziente Zusammenarbeit zwischen den Behörden im Überwachungs- und Operationszentrum von Vitória.

Die Erfolge in Vitória in Bezug auf Strafverfolgung sind in anderen Städten weltweit ähnlich. Gewiss steht jede Strafverfolgungsbehörde vor eigenen spezifischen Herausforderungen und Problembereichen, aber im sogenannten Incident-Management (Ereignisverwaltung) zeigen sich gemeinsame Aspekte von vernetzten Videolösungen:

  • Netzwerk-Kameras in Aktion
    Netzwerk-Kameras beobachten wichtige Orte, an denen Kriminalität weit verbreitet ist oder an denen die Sicherheit von Bürgern äußerst wichtig ist. In vielen Fällen werden Kameras durch Sensoren oder Videoanalyselösungen ergänzt, die Bedrohungen oder Vorfälle wie Schüsse, oder verdächtige Fahrzeuge automatisch erkennen können.
  • Sicherheitszentrale
    Die Sicherheitszentrale ist die Drehscheibe für das Incident-Management. Hier werden alle Informationen beispielsweise aus den Kameras oder den Notrufen gebündelt. Wenn ein Sensoralarm eintrifft, helfen die Kameras, um das Ereignis zu verifizieren und den Vorfall zu verfolgen. So können Verantwortliche fundierte Entscheidungen über die erforderlichen Aktionen und Ressourcen treffen. Dies ermöglicht eine schnellere Reaktion und senkt das Risiko für ungenügende oder unnötige Einsätze.
  • Aktuelle Informationen für die Helfer vor Ort
    Die von der Sicherheitszentrale verarbeiteten Informationen werden auch an mobile Geräte gestreut. Wichtige Hinweise wie Nummernschilder, Bilder von Fahrzeugen, Verdächtige oder weitere Details können an Sicherheitsbeamte auf dem Weg zum Tatort gesendet werden, damit diese wissen, was und wen sie suchen müssen. Das verbessert die Erfolgsquote und die Situation für Ersthelfer, indem sie effektiv auf das Geschehen vor Ort vorbereitet sind. Wenn alle Beteiligten mit den neusten Informationen ausgestattet sind, können Maßnahmen schneller und koordinierter ablaufen.

Echtzeit-Effizienz vom Tatort bis zur Verurteilung

  • Almere (Niederlande), eine schnell wachsende Stadt, in der eine skalierbare Videolösung dazu beiträgt, öffentliche Räume für die Bürger sicher zu halten. Hochwertige Bilder von festen und temporär zugeordneten Kameras beschleunigen die Reaktionszeiten und liefern zuverlässige Beweise für Untersuchungen.
  • In Detroit (Michigan) hat das Projekt Green Light die Kriminalität in der Nähe von Tankstellen in nur zwei Jahren um bis zu 50 Prozent reduziert. Heute umfasst das Projekt mehr als 200 lokale Unternehmen, wobei insgesamt mehr als 1.000 Kameras an das Echtzeit-Kriminalitätszentrum der Polizei angeschlossen sind.
  • In Kolhapur (Indien) reduzieren schnellere Reaktionszeiten und ein schnellerer Zugang zu Beweismitteln die Sicherheitsprobleme, vor allem im Hinblick auf den wachsenden Tourismus. Die rund um die Uhr durchgeführte Beobachtung von Ein- und Ausstiegspunkten, Kreuzungen und Sehenswürdigkeiten hilft den Behörden, Kriminalität und Verkehrsdelikte zu minimieren.
  • Marburg (Deutschland): Sicherheitssystem im Marburger Jägertunnel. Nach mehreren Vorkommnissen im mittelhessischen Marburg installierte die Stadtverwaltung die Sicherheitsanlage „LiSA“. Per Knopfdruck kann im 80 Meter langen Tunnel eine Bild- und Tonübertragung mit der Einsatzzentrale aktiviert werden. Das Besondere daran: dank einer verbunden Netzwerk-Lautsprecheranlage ist eine Kommunikation im ganzen Tunnel möglich.

Die Investition teilen – und den Erfolg

Atlanta (Georgia) hat ein Problem gelöst, mit dem viele Städte konfrontiert sind: nämlich die Schwierigkeit, Mittel für Überwachungsinvestitionen und Instandhaltung zu finden. In Zusammenarbeit mit privaten Interessengruppen, die von der zusätzlichen Sicherheit profitieren, hat die Stadt Feeds von bestehenden Kameras in Unternehmen und Mehrfamilienhäusern in ihre Betriebszentrale integriert. Heute unterstützen mehr als 4.000 öffentliche und 6.000 private Kameras die Polizei von Atlanta bei der Verbrechensbekämpfung und der Verbesserung der Notfallvorsorge. Sollte an einer öffentlichen Schule, in der Innenstadt, im öffentlichen Nahverkehr oder bei einer der anderen angeschlossenen öffentlichen oder privaten Organisationen etwas passieren, hat die zuständige Behörde einen sofortigen Live-Blick auf die Situation.

„Das Video Integration Center gibt dem APD die Möglichkeit, die ganze Stadt im Blick zu haben und Videos von den teilnehmenden Interessengruppen zu nutzen, ohne alle Ressourcen selbst besitzen zu müssen.“, so Thomas R. Sutton, Senior Police Officer, Atlanta Police Department

Detroit’s Project Green Light ist eine ähnliche öffentlich-private Partnerschaft, bei der die teilnehmenden Unternehmen die Investitionskosten für die Kameras übernehmen.

Ein Weg zu sichereren und intelligenteren Städten

Obwohl die Strafverfolgung im Mittelpunkt steht, können die Projekte in diesem Artikel auch als Smart City Initiativen betrachtet werden. Sie verbinden Geräte, Daten und Interessenvertreter mit dem Ziel, die Ressourcen einer Stadt besser zu verwalten und ihren Bürgern optimierten Service anzubieten. Nach erfolgreicher Umsetzung tragen sie nicht nur zur Verbesserung der Effizienz der Strafverfolgung bei, sondern auch zur Schaffung sicherer und lebenswerterer Städte.

Mehr dazu erfahren Sie in unserer Infografik (zum Herunterladen):

Infografik Effizientere Strafverfolgung dank vernetzter Videolösungen

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Der Originalbeitrag ist auf dem englischsprachigen Blog erschienen.