Rückblick auf den Sicherheitsmarkt 2018 – und was wir für 2019 erwarten dürfen

Ray Mauritsson

Es ist natürlich wichtig, dass Sicherheitsunternehmen wie Axis immer zielgerichtet nach vorne schauen. Manchmal ist es aber auch gut, einen Moment inne zu halten und Vergangenes zu reflektieren. Am Jahresende 2018 scheint es eine gute Gelegenheit, auf die wichtigsten Aktivitäten und Entwicklungen auf dem Sicherheitsmarkt zurückzublicken und die möglicherweise im kommenden Jahr 2019 bevorstehenden Trends im Auge zu haben.

Eine wachsende und konsolidierende Branche

Die Geschwindigkeit in der Sicherheitsbranche nimmt stetig zu. Der Netzwerk-Kameraspezialist Axis selbst wurde erst Mitte der 80er Jahre gegründet und brachte die weltweit erste Netzwerkkamera nur 20 Jahre später auf den Markt. In lediglich zwei kurzen Epochen hat sich die Branche von analog zu digital gewandelt. Dabei haben sich Qualität und Stärke der Kameras exponentiell verbessert und das Potential von künstlicher Intelligenz und Machine Learning eröffnet völlig neue Wege. Eine solch immense Veränderungsrate zwingt die etablierten Marktteilnehmer zum stetigen Fortschritt, wodurch viele versuchen ihr Produktportfolio oder ihre internationale Präsenz durch Akquisitionen zu erweitern.

Zu Beginn des Jahres war die Motorola Akquisition of Aviglion ein Beispiel dafür, dass das traditionelle Angebot an Kommunikationstechnologien des öffentlichen Sektors durch Videoüberwachung ergänzt wurde. In jüngerer Zeit hat UTC, bekannt als Hersteller von HLK- und Gefriersystemen, den Kauf von S2-Security abgeschlossen.

Die Konsolidierung des Marktes wird im Jahr 2019 vermutlich nicht abnehmen, da immer mehr Unternehmen erkennen, dass ein breiter angelegtes Produkt- und Dienstleistungsportfolio der Schlüssel zum Wachstum ist. Hierfür können Akquisitionen eine schnellere Option sein als eigene Entwicklungen. Voraussetzung ist sicherlich, dass die Herausforderungen bei der Akquisition hinsichtlich unterschiedlicher Systeme und Unternehmenstraditionen schnell überwunden werden.

Fusionen und Übernahmen können Unternehmen zwar schnell bei der Erweiterung ihres Portfolios unterstützen, doch die Zusammenführung dieser unterschiedlichen Produkte zu einer passenden Einzellösung kann zu einer echten Herausforderung werden. Das außergewöhnliche Wachstum von Verbrauchertechnologien in den vergangenen zwei Jahrzehnten hatte einen Einfluss auf die Erwartungen an das Business. Jede Art von Nutzung und entsprechendes Management vereinen sich in der Frage: Warum sollte man eine Sicherheitslösung erwarten, die weniger einfach zu bedienen ist als ein Smartphone? Von Systemspezifizierungen über Installation, Nutzen und Management gibt es eine Nachfrage nach gutem Design und intuitiven Schnittstellen.

Privatsphäre: Erosion und Schutz

Die Entwicklungen und der resultierende Fokus auf den Datenschutz in den letzten Monaten, insbesondere in Bezug auf personenbezogene Daten, können natürlich nicht ignoriert werden. Auffallend ist sicherlich, wie hierbei die kulturellen und geographischen Unterschiede in Einstellungen und Herangehensweisen positiv wie negativ hervorgehoben wurden. Europa ist vermutlich weltweit die sensibelste Region, wenn es um den Umgang mit persönlichen Daten geht. Es ist nicht überraschend, dass das Europäische Parlament aus diesem Grund mit der Datenschutz-Grundverordnungen (DSGVO) die weltweit strengsten Regulierungen, inwieweit persönliche Daten gesammelt, verarbeitet, gespeichert, geteilt und benutzt werden können, verabschiedet hat. Jedes Unternehmen der Sicherheitsbranche, das mit persönlichen Daten von EU-Bürgern zu tun hat, muss sich selbstverständlich an den Richtlinien der DSGVO orientieren. Die Verordnung hat jedoch spezielle Auswirkungen auf die Nutzer von Videolösungen (wie in einem Axis Whitepaper erläutert).

Außerhalb Europas sind die Haltungen zu diesem Thema unterschiedlich. So scheint bspw. in den USA die Sorge um die Cybersecurity größer zu sein als um die eigene Privatsphäre. US-Bürger sind offenbar eher bereit, ihre persönlichen Daten weiterzugeben (solange sie davon überzeugt sind, dass die Unternehmen die Daten sicher vor Cyberkriminellen schützen) und Zugang zu diesen für die Regierung zu ermöglichen. Ein vom Staat unterstütztes Überwachungsprogramm wie PRISM, welches der Nationalen Sicherheitsbehörde mit einem richterlichen Beschluss Zugang zu persönlichen Online-Daten von Internet-Unternehmen ermöglicht, würde in Europa für Aufruhr sorgen.

In vielerlei Hinsicht sind die Unterschiede auf verschiedene Prioritäten zurückzuführen: So stufen die USA den Schutz des Staates am höchsten ein, während es in Europa der Schutz des Einzelnen ist. In anderen Regionen und Länder der Welt, von Kanada bis China, von Brasilien nach Russland, sind Haltungen, Aktivitäten und Gesetze sehr unterschiedlich. Es bedarf speziellere Ansätze als zuvor: In dieser Hinsicht wird die Welt aktuell mehr regional als global.

Cybersecurity: Wachsende Schwachstellen

Vermutlich wird das Thema Cybersecurity nicht so bald oder gar nie versiegen. Der Grund hierfür sind die unglaublich schnellen Entwicklungen durch gut ausgestattete, geschickte und organisierte Cyberkriminelle, welchen nur schwer zu folgen ist – und das unbeeinflusst von irgendwelchen nationalen oder regionalen Regulierungen. Darüber hinaus gibt es zunehmend Anzeichen dafür, dass Nationalstaaten ausgefeilte Cyberangriffe gegen andere Staaten, kommerzielle und öffentliche Organisationen und kritische Infrastrukturen durchführen. Das WIRED UK Magazin beispielsweise verfolgt die wichtigsten und schwerwiegendsten Sicherheitsverletzungen.

Mit der Vernetzung von Geräten ist auch das Potential gestiegen, das Cyberkriminelle durch ein Endgerät Zugang zu Organisationssystemen und somit zu Daten erhalten. Ohne zureichende Cybersecurity-Schutz, kann jedes vernetzte Gerät zur Schwachstelle werden: ein Drucker, ein SmartHome-Gerät oder eine Netzwerkkamera. Angesichts der beunruhigenden Nachweise, dass in einigen Ländern Produkte bereits in der Fertigungsphase gefährdet wurden, ist das vollständige Vertrauen in die Herkunft aller in das System eingebundenen Produkte unerlässlich.

Ethische Auswirkungen

Es scheint, als ob Gebiete und Länder vermehrt eine zunehmende staatlich gesponserte Überwachung anstreben (und erreichen) als je zuvor. Es ist ein wachsendes Problem, und eines welches jedes Unternehmen der Sicherheitsbranche sowie die Endanwender auf dem Schirm haben sollten. Jede Organisation sollte explizit darlegen, wie sie ihre Produkte technisch sowie ethisch verwenden möchten und hinsichtlich der Klarstellung mit ihren Partnern zusammenarbeiten. In einigen Fällen kann dies auch bedeuten, Entscheidungen über den Nicht-Verkauf kritischer Produkte zu treffen, wenn die Verwendung nicht eindeutig den eigenen ethischen Richtlinien entspräche.

Technologie brachte einen enormen Vorteil für die Gesellschaft und tut dies bis heute. Die Vision einer einfacheren und sicheren Welt sehen Unternehmen wie AXIS unterstützt durch den Fortschritt von Technologie. Aber mit mehr Innovation und Fortschritt, wie durch künstliche Intelligenz oder Machine Learning, werden die ethischen Fragen signifikant ansteigen. Nur weil wir etwas tun können, heißt es nicht immer, dass wir es tun sollten. Aber bietet jede Organisation die Basis dafür, dass diese Fragen gestellt und beantwortet werden können? Während dies größtenteils eine interne Frage ist, ist die Unterstützung von Initiativen wie The Copenhagen Letter, ein wichtiges öffentliches Engagement.

Am Ende ist es eine Frage des Vertrauens

Vertrauen war schon immer ein kritischer Aspekt einer Geschäftsbeziehung, doch waren die Elemente traditionell greifbarer. Heute dreht sich alles um die Fragen, ob man darauf vertrauen kann, dass sich jemand um die eigenen Daten kümmert, dieselben Wertvorstellungen hat oder Kooperationen mit anderen Ländern und Unternehmen vorhanden sind, die sich eventuell nicht vorschriftsgemäß verhalten? Vertrauen wird zunehmend als echtes Unternehmensvermögen mit realem Wert betrachtet. In entsprechenden Fällen, in denen das Vertrauen eindeutig verletzt wurde, gibt es womöglich daraus resultierende grundlegende Auswirkungen auf den Wert und die Leistung einer Organisation.

Während das Geschäft weiterläuft, ist der Jahreswechsel immer ein guter Zeitpunkt für Reflektionen und Planungen. Die Überzeugung, die Welt für alle intelligenter und sicherer zu machen, trägt die große Mehrheit der Menschen, Organisationen und auch Regierungen mit.