1. Die Infrastruktur

Das Netzwerk ist die unvorhersehbarste Quelle für Verbindungsabbrüche. Switches, Router, Kabel-Proxys… alles im Netzwerk zwischen Sendern und Empfängern beeinflusst irgendwann die Verbindung. 

1.1 Netzwerk-Management

Unvorhersehbare Faktoren können Probleme im Netzwerk verursachen.

Mögliche Abhilfe

  • Die Verbindung zwischen Kamera und Anzeigegerät muss einen garantierten Durchsatz aufweisen.

  • In einem LAN (Local Area Network) kann dies mit einer Verbindung mit so wenig Hops wie möglich sichergestellt werden. Die Verbindung sollte nicht mit anderem Datenverkehr wie Voice over IP (VoIP) oder anderen Protokollen, die standardmäßig Vorrang vor Video haben, oder anderen anspruchsvollen Diensten, die die Verbindung überlasten, geteilt werden.
  • Wenn die Verbindung über ein WAN (Wide Area Network) erfolgt, muss die QoS in jedem Hop, d. h. in Routern und Switches, gewährleistet sein. Dies kann auch erreicht werden, indem Sie eine Punkt-zu-Punkt-Route über Ihren lokalen Internetanbieter anmieten.
  • Die Verwendung abgeschirmter Kabel wird empfohlen. Je nach Anwendung können Kabel durch EMI/RFI/ESI (elektromagnetische Störungen, Hochfrequenzstörungen, elektrostatische Störungen), auch als „Signalstörungen“ bekannt, beeinträchtigt werden. Isolierung allein bietet keinen Schutz vor Signalstörungen – daher ist eine angemessene Abschirmung unerlässlich, um die Auswirkungen von Signalstörungen zu bekämpfen.

1.2 Bandbreite

Netzwerk-Videoprodukte nutzen die Netzwerkbandbreite basierend auf ihrer Konfiguration. Wenn Sie ein qualitativ hochwertiges Video mit einer sehr geringen Komprimierung anfordern, wird die Bitrate erheblich erhöht. Wenn die Bandbreite begrenzt ist, muss das Gerät die Qualität des Streams kompensieren (Bitrate reduzieren), um der verfügbaren Bandbreite der Netzwerkinfrastruktur zu entsprechen. In einigen Fällen kann dies zu Paketverlusten führen.

Mögliche Abhilfe

  • In einem kleinen Überwachungssystem mit acht bis zehn Kameras kann ein 100 Megabit-Netzwerk-Switch verwendet werden, ohne dass Einschränkungen der Bandbreite berücksichtigt werden müssen.
  • Bei mehr als 10 Kameras lässt sich die Netzwerk-Last anhand folgender Faustregel schätzen:
    - Eine Kamera, die so konfiguriert ist, dass sie hochwertige Bilder bei hohen Bildraten liefert, beansprucht etwa 2 bis 3 Mbit/s der verfügbaren Netzwerkbandbreite.
    - Bei mehr als 12 bis 15 Kameras sollten Sie einen Switch mit einem Gigabit-Backbone in Erwägung ziehen. Wird ein Switch mit Gigabit-Unterstützung verwendet, sollte auf dem Server mit der Video Management Software ein Gigabit-Netzwerkadapter installiert sein.

2. Geräteüberlastung

Das Streaming kann unterbrochen werden, wenn das Gerät aufgrund einer Überlastung abstürzt. Im Folgenden sind einige der Faktoren aufgeführt, die eine Geräteüberlastung verursachen können:

2.1 Faktor 1 - Leistung des Chipsatzes

Es ist schwer für alle Situationen vorherzusagen, wie viele gleichzeitige, individuell konfigurierte Streams mit maximaler Auflösung und voller Bildrate ein Videoprodukt (Chipsatz) liefern wird. Die Gesamtleistung hängt ab von:

  • CPU-Last oder Videokompressionslast (abhängig vom Chipsatz) im Videoprodukt
  • Gesamter Datendurchsatz (Bandbreite) von der Produkt- und Netzwerk-Infrastruktur
  • Leistung des Clients
  • Die Komplexität des Bildes
  • Die Lichtverhältnisse

 

Mögliche Abhilfe

  • Aus Benutzersicht wird die Gesamtleistung am häufigsten von den folgenden Parametern negativ beeinflusst:
    - Hohe Bildauflösung
    - Niedrige Bildkompressionsstufe
    - Mischen von Motion JPEG- und H.264/H.265-Streams
    - Viele Clients greifen gleichzeitig auf den Server zu
    - Clients, die gleichzeitig auf verschiedene Bildeinstellungen (Auflösung, Komprimierung usw.) zugreifen
    - Starke Nutzung von Ereigniseinstellungen
    - Bewegungserkennung aktiviert
    -  HTTPS
    - Schlecht laufender Client-PC, der nicht alle Bilder dekodiert
    - Eingeschränkte oder schlechte Netzwerk-Infrastruktur. Frames werden verworfen, wenn das Netzwerk überlastet ist.
     
  • Wenn Bildszene, Komprimierungsstufe und Komprimierungsmethode konstant gehalten werden, verringert eine Erhöhung der Auflösung die Anzahl der Streams mit voller Bildrate oder führt dazu, dass die Bildrate pro Stream sinkt.
  • Folgende Informationen zum Chipsatz werden Ihnen helfen, die Einschränkungen zu verstehen: Nehmen wir als Beispiel ein ARTPEC-7. Die Testergebnisse für diesen Chipsatz zeigen, dass er fast sechs gleichzeitige H.265-Streams in HDTV mit 1080 px mit 30 Bildern pro Sekunde oder zwei H.265-Streams in 4K mit 23 Bildern pro Sekunde oder einen H.265-Stream in 3712 x 2784 mit 20 Bildern pro Sekunde liefern kann. Alternativ kann es gleichzeitig einen H.265-Stream in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde und einen H.265-Stream mit 1080 px mit 30 Bildern pro Sekunde liefern.

2.2 Faktor 2 - mehrere verteilte oder Edge-Analysefunktionen

Wenn viele ACAPs verwendet werden, ist die CPU-Verarbeitung am Limit und kann die Leistung des Geräts stark beeinträchtigen und unerwünschte Abstürze/Unterbrechungen verursachen. Dieses Problem tritt auch auf, wenn ein ACAP überbeansprucht wird und wenn Sie dem Mix mehrere hochwertige Streams hinzufügen, was ebenfalls zu unerwünschten Abstürzen und Unterbrechungen führen kann.

Mögliche Abhilfe

  • Begrenzen Sie die Anzahl der verwendeten ACAPs.
  • Wenn bei Multisensor-/Mehrkanalkameras wie der AXIS F-Serie und AXIS P3707-PE-Produkten eine Bewegungserkennung auf mehreren Kanälen erforderlich ist, wird empfohlen, stattdessen die integrierte Bewegungserkennung (manchmal als VMD1 bezeichnet) für die gewünschten Kanäle zu verwenden. VMD1 benötigt weniger Prozessorleistung.

2.3 Faktor 3 - Hochfrequente HTTP-Anfragen

Falsch konfigurierte Video Management Systeme, die ununterbrochen Anforderungen senden, die die Geräte nicht verarbeiten können, und die von den Geräten verwendeten Ressourcen.

Mögliche Abhilfe

  • Für die Fehlersuche sollten Sie als Erstes die Kamera von der VMS trennen.
  • Sobald die Kamera isoliert ist, muss ein Test durchgeführt werden, bei dem einfach durch Verwendung der Live-Ansicht auf der Weboberfläche des Geräts ein Stream von der Kamera abgerufen wird.

3. Fehlerbehebung mit Wireshark- oder Vapix-Befehlen

Die bevorzugte Anwendung zum Erstellen eines Netzwerk-Trace zum Anhängen an einen Supportfall ist Wireshark. Wenn Sie es nicht auf Ihrem PC installiert haben, können Sie es kostenlos von Wireshark herunterladen. Mit Wireshark lässt sich der Datenverkehr sowohl beim Aufzeichnen als auch beim Überprüfen filtern. Beides kann in verschiedenen Situationen nützlich sein.

Darüber hinaus können bei der Behebung von Verbindungsproblemen mit Axis Geräten (Firmware v. 5.x oder höher) die folgenden Vapix-Befehle auch über einen Webbrowser ausgegeben werden:

  • http://x.x.x.x/axis-cgi/debug/debug.tgz?cmd=pcapdump&duration=30
    - Generiert eine vom Gerät selbst entnommene Packet Capture-Datei für die angegebene Zeit in Sekunden. Die Aufnahme liegt im Standardformat *.pcap vor, sodass es in Wireshark überprüft werden kann.
  • http://x.x.x.x/axis-cgi/connection_list.cgi
    - Zeigt eine Liste der derzeit geöffneten TCP/UDP-Verbindungen/Ports an.
  • http://x.x.x.x/axis-cgi/pingtest.cgi?ip=y.y.y.y
    - Pingt einmal die angegebene IP-Adresse an und meldet dann das Ergebnis.

4. Einen Support Case öffnen

Es kann vorkommen, dass die oben genannten Faktoren und Abhilfemaßnahmen nicht zur Identifizierung und Lösung von Netzwerk-Problemen beitragen können. Sie können gerne einen Support Case unter Angabe der unten benötigten Informationen und Daten eröffnen.

Hinweis: Sie sollten immer die Geräte mit der neuesten Firmware auf einem LTS-Track oder Active Track testen, sofern möglich

4.1 Benötigte Daten und Informationen

Hinweis: Denken Sie daran, den Server-Bericht des Gerätes anzufügen!

Support-Tipp: So laden Sie einen Server-Bericht herunter

  • Eine detaillierte Beschreibung des Problems und wann es auftritt und wie oft?
  • Gab es eine interne Untersuchung des Netzwerks? Netzwerkgeräte?
  • Eine Beschreibung des Netzwerks und sofern möglich eine Zeichnung der Netzwerktopologie?
  • Detaillierte Informationen zu allen Geräten im Netzwerk?
  • Firewall und Antivirenprogramme, und wenn ja, wurden sie aktualisiert?
  • Mit anderen installierten funktionierenden Kameras vergleichen?
  • Wireshark von den ausgefallenen und anderen funktionierenden Einheiten im Netzwerk?
  • Überprüfen Sie, ob das Problem dasselbe ist, wenn das Gerät vom Netzwerk getrennt ist.
  • Informationen zur Stromversorgung des Geräts.
  • Der Name einer Anwendung von Drittanbietern (VMS, EMS,…), die verwendet wird?
  • Handelt es sich um eine Alt- oder Neuinstallation und wurden Änderungen im Netzwerk vorgenommen?

 

[Wenden Sie sich bitte mit allen beantworteten Fragen und angehängten Dateien an den technischen Support]

Hinweis

Hinweis

Axis Kameras funktionieren wie vorgesehen, wenn sie wie in der Installationsanleitung beschrieben installiert werden. Im Allgemeinen sollte die Kuppel des Geräts beim Betrieb oder Testen der Geräte Richtung Boden zeigen.

Beachten Sie, dass Axis keine Verantwortung dafür übernimmt, wie sich die in dieser Anleitung beschriebene Änderung der Konfiguration auf Ihr System auswirken kann. Wenn die Änderung fehlschlägt oder die Ergebnisse anders sind als von Ihnen erwartet, müssen Sie die Einstellungen möglicherweise auf die Standardeinstellungen zurücksetzen.

Die Anleitung deckt nicht alle möglichen Probleme ab, sondern nur die dem Support am häufigsten gemeldeten Fälle. Als Axis Kunde können Sie sich jederzeit gerne an den Axis Support wenden, wann immer nötig und mit jeglicher Art von Problemen, die in dieser Anleitung zur Fehlerbehebung aufgeführt sind oder nicht.