Jochens Ecke: Das sollten Sie über ONVIF wissen!

Artikel
9. September 2020
ONVIF steht für Open Network Video Interface Forums (dt.:Offenes Forum für Netzwerk-Video Schnittstellen) und hat das Ziel, die Entwicklung und Verwendung eines globalen, offenen Standards für die Schnittstelle physischer IP-basierter Sicherheitsprodukte zu erleichtern.

Wie wichtig standardisierte Schnittstellen sind, können wir in der Videosicherheitstechnik seit rund 10 Jahren erleben. ONVIF wurde zwar 2008 eingeführt, brauchte jedoch ein wenig Zeit sich zu etablieren und ist seitdem nicht nur ein Leistungsmerkmal in Ausschreibungen, sondern auch in internationalen Standards, wie

  • Videosicherheitstechnik (IEC 62676-2-3) und
  • Zugangskontrolle (IEC 60839-11-1),

wiederzufinden.

Was ist der Vorteil von ONVIF?

ONVIF bietet die Flexibilität, die für den Einsatz optimalen Produkte auszuwählen, ohne an eine bestimmte Marke gebunden zu sein. Eine ONVIF-konforme Videoverwaltungssoftware ermöglicht beispielsweise die Integration ONVIF-fähiger Geräte verschiedener Hardwarehersteller. Bei der Software, die sowohl ONVIF- als auch proprietäre Anwendungsprogrammierschnittstellen (APIs) unterstützt, kann der Nutzer wählen, ob die ONVIF-Schnittstellen für bestimmte Funktionen und die proprietäre API für andere Funktionen gleichzeitig verwendet werden können. ONVIF-konforme Produkte sind wie eine Versicherung für einen langen und nachhaltigen Betrieb.

Die wichtigsten aktuellen Profile und ihre Funktionalitäten sind:
1.    Profil S: IP-Videoquellen
Video und Audio-Streaming, PTZ Funktionen und potenzialfreie Kontakte, Status-Information und Multicast
2.    Profil C: IP-Zutrittssteuerungen
Status-Information und Konfiguration, Event & Alarmmanagement, Türzustandsüberwachung
3.    Profil G: IP-Medienspeicher
Video- und Audiowiedergabe, Videoaufnahmen und Ereignissuche, Konfiguration und Steuerung der Aufnahmen
4.    Profil Q: Integration von Geräten der Sicherheitstechnik
Standardisierte Erkennung, Einrichtung und Konfiguration konformer Geräte, Datenintegrität und -sicherheit
5.    Profil T: Für fortgeschrittenes Video-Streaming
H.264/H.265 Videokompression, Bildeinstellungen, Bewegungsalarm und Manipulations-Ereignisse, Streaming von Metadaten, Bidirektionales Audio

Was muss ich als Planer oder Integrator berücksichtigen?

Als erstes sollte ich mir die Frage stellen, welches der zur Verfügung stehenden Profile benötigt wird?
Wenn ich zum Beispiel keine Zutrittssteuerung benötige, sind die Profile S, G, Q und T ausreichend. Am häufigsten benutzt, werden die Profile S und G.

Reicht es, wenn ich folgende Anforderung definiere: „Kamera mit ONVIF-Schnittstelle?“

Leider nein. Das wäre so, als wenn ich mich in Berlin zum Essen verabreden würde, aber weder den Tag noch die Adresse oder Uhrzeit bekannt sind. Nur die Absicht, in Berlin mal was zu Essen ist bestimmt erstrebenswert, jedoch werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit niemals mit meinem/meiner Gesprächspartner oder -partnerin zusammenkommen.

Was muss ich machen, damit ich ein ONVIF-kompatibles Produkt im Leistungsverzeichnis richtig definiere?

Nicht viel, nur bei der Wertschöpfungskette vorne anfangen.

  • Der Hersteller muss aktives Mitglied bei ONVIF sein und
  • das gewünschte Profil definieren. Wichtig ist, dass das Produkt in der aktuellsten Softwareversion dieses Profil unterstützt.

Damit verhindere ich, dass durch ein Downgrade eine unsichere Kompatibilität hergestellt werden kann.

Wie kann ich einfach feststellen, ob mein Produkt ONVIF-kompatibel ist?

Anhand des Datenblattes habe ich eine sehr gute Möglichkeit, dies im Vorfeld festzustellen.

Screenshot from a datasheet with information about ONVIF

Alternativ gibt es die Möglichkeit, eine entsprechenden Bestätigung des Herstellers anzufordern.
Dabei ist es nur wichtig, den Originalhersteller zu kennen oder aber in der Ausschreibungsphase bereits folgenden Punkt abzufragen:

  • Die spezifizierte Einheit ist in ihrer Gesamtheit von dem Hersteller zu erstellen und zu entwickeln und für den alleinigen Gebrauch des Herstellers herzustellen.
  • Das spezifizierte Gerät muss der offiziellen Produktlinie des Herstellers angehören und für den gewerblichen und/oder industriellen 24/7/365-Einsatz ausgelegt sein.

Damit schließe ich auch Original Design Manufacturer Produkte, die unter einem anderen Label in den Markt gebracht werden, aus.

Ich wünsche Ihnen allseits gute, sichere und auch nachhaltige Planung.

Ihr Jochen Sauer
Business Development Manager, A&E

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Jochen Sauer, Business Development Manager, A&E, Axis Communications
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