Die Betrachtung der TCO bei der Videoüberwachung im Einzelhandel

Ralph Siegfried

Es wäre naiv zu glauben, dass Kosten nicht für jedes Unternehmen ein Thema sind, und das ist sicherlich für den Einzelhandel der Fall. Die Auswirkungen jeder Investition auf das Endergebnis werden genau untersucht und hinterfragt. Bei Investitionen in neue Technologien – einschließlich Videoüberwachungslösungen – kann der Schwerpunkt schnell auf den Kosten für die Hardware selbst liegen.

Das ist vielleicht verständlich: Die Kosten für die einzelnen Hardwareteile sind sehr „sichtbar“, und wenn man ein System spezifiziert, das Hunderte von Kameras in einem Netzwerk von Dutzenden von Geschäften umfasst, summieren sich diese Einzelkosten schnell. Aber es sind oft die unsichtbaren und laufenden Kosten für den Betrieb von Lösungen, die letztendlich die anfänglichen Kosten der Hardware übersteigen. Diese Aspekte fließen in die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership; kurz: TCO) der Lösung ein und sollten immer einen spezifischen Teil der Investitionsbewertungen im Einzelhandel bilden.

Die Kosten der Videoüberwachung im Fokus

Bei der Spezifizierung einer neuen Videoüberwachungslösung spielen die Kameras selbst eine zentrale Rolle. Schließlich ist die Motivation für die neue Lösung die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Bilder bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Auf dem Papier sehen viele Kameras in Bezug auf Bildauflösung und Kamerafunktionalität sehr ähnlich aus. Und in der Tat können einzelne Kameras verschiedener Hersteller in Tests ähnlich gut abschneiden. Infolgedessen, und insbesondere dann, wenn eine Lösung Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende von Kameras umfassen kann, werden die individuellen Kosten einer Kamera zu einem wichtigen Entscheidungsfaktor und zu einem Bereich, in dem wahrgenommene Einsparungen erzielt werden können. Aber wie wir sehen werden, führen kurzfristige Kosteneinsparungen nicht unbedingt zu einem langfristigen Wert.

Daten sind ein Kostentreiber und schaffen Probleme

Eine Videoüberwachungslösung mit zahlreichen hochauflösenden Videokameras über ein ganzes Laden-Netzwerk hinweg erzeugt viele Daten. Und genau in diesen Daten steckt ein Großteil der weniger sichtbaren Kosten der Videoüberwachung, nicht nur bei der Speicherung und Übertragung, sondern auch beim Zeitaufwand für den Zugriff auf das Filmmaterial zu Analyse- und Untersuchungszwecken.

Neben den Kameras sind der Videorekorder und die Video Management Software (VMS) weitere wesentliche Bestandteile einer Videoüberwachungslösung. Qualitativ hochwertige Bilder von Kameras nützen nicht viel, wenn sie nicht für eine spätere Überprüfung und Analyse gespeichert werden können. Ein Rekorder muss in der Lage sein, die Videodaten von mehreren Kameras zu verwalten und sie für einen ausreichenden Zeitraum (i. d. R. 30 Tage, in einem Sektor wie dem Einzelhandel) zu speichern, um die Untersuchung etwaiger Vorfälle zu ermöglichen.

Die Daten, die von mehreren Kameras mit hochauflösenden Bildern erzeugt werden, können den vorhandenen Speicher des Videorekorders schnell überfordern. Leider hat die einfache Antwort auf dieses Problem – der Kauf zusätzlicher Speicherkapazität – den unerwünschten Effekt, dass sich die Gesamt- und laufenden Kosten der Lösung erhöhen.

Um diesen Kostenanstieg zu vermeiden, werden sich viele Systemadministratoren der nächstliegenden Lösung zuwenden: der Reduzierung der Bitrateneinstellung an den Videokameras. Dies hat natürlich zur Folge, dass die Qualität der von der Kamera aufgezeichneten Bilder verringert wird, was die Begründung für die Investition in die Lösung von vornherein untergräbt.

Und die Speicherung ist nicht das einzige Problem bei der Zunahme von Daten. Angesichts der Tatsache, dass Einzelhändler an mehreren Standorten tätig sind – und dass im Laden keine Ressourcen für die Überwachung von Live-Video zur Verfügung stehen – werden Videokameras an die Zentrale des Einzelhändlers angeschlossen. Häufig ist die Bandbreite, die zwischen den Geschäften und der Zentrale für die Sicherheitsnutzung zur Verfügung steht, begrenzt, und auch hier bedeuten die offensichtlichen Lösungen zur Problembeseitigung entweder höhere Kosten oder eine geringere Bildqualität. Beides ist nicht ideal.

Der Bedarf an forensischen Daten und die damit verbundenen Kosten

Der Hauptgrund für die Videoüberwachung im Einzelhandel besteht darin, eine effektive Untersuchung von Vorfällen und kriminellen Handlungen zu ermöglichen, und dafür ist ein forensischer Detaillierungsgrad erforderlich. Angesichts des zentralisierten Charakters des Videoüberwachungsmanagements im Einzelhandel mit mehreren Standorten ist eine Live-Überwachung der Einspeisungen von Hunderten von Kameras in mehreren Geschäften nicht durchführbar – Einzelhändler müssen sich auf aufgezeichnete Videodaten verlassen können. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Anfragen von Strafverfolgungsbehörden nach Fernzugriff und Abrufen von Videoüberwachungssequenzen von Einzelhändlern dramatisch zugenommen haben.

Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer größeren Nachfrage nach hochauflösenden Videodaten, die regelmäßiger über eine begrenzte Bandbreite übertragen werden müssen – eine manuelle Aufgabe, die mit einem hohen Zeit- und Personalaufwand verbunden ist. Wenn die Konzentration auf niedrigere Hardware-Kosten dazu führt, dass mehr Mitarbeiter benötigt werden, werden etwaige Einsparungen schnell wieder zunichte gemacht.

Lösung des Datenproblems

Die Auswirkungen einer neuen Videoüberwachungslösung auf die TCO müssen ein integrierter Bestandteil des Beschaffungsprozesses für Einzelhändler werden. Testen Sie die Fähigkeiten einzelner Kameras, und versuchen Sie auch die kollektiven Auswirkungen der von ihnen erzeugten Daten nachzuvollziehen, die übertragen und gespeichert werden müssen.

Etablierte Hersteller werden alle ihre eigene Antwort auf die Frage haben. Für Axis ist dies Zipstream, eine proprietäre Technologie, die forensische Details in Videomaterial bewahrt und gleichzeitig den Bandbreiten- und Speicherbedarf um durchschnittlich 50 % reduziert. Es ist unerlässlich, diese Behauptungen rigoros zu befragen und zu testen.

Die Vorteile, die Einzelhändler aus der sich ständig verbessernden Qualität der Netzwerk-Videoüberwachung ziehen, sind in Bezug auf Sicherheit und Schutz zahlreich, aber es gibt immer Auswirkungen, die berücksichtigt werden müssen. Es ist eine falsche Sparsamkeit, sich nur auf die Erstinvestition in Hardware zu konzentrieren, wenn dies letztendlich zu zusätzlichen Kosten für die Verwaltung und den Abruf der erstellten Daten führt oder, was noch schlimmer ist, die Qualität des aufgenommenen Videos verringert. Obwohl die Kosten weiterhin ein Thema für Einzelhändler sind, können sie es sich nicht leisten, die Datenfrage zu ignorieren.