Panoramakameras – Mehr als nur Fisheye-Modelle (mit Video)

Timo Sachse

Kameras bilden die Basis eines jeden Überwachungssystems. In den meisten Fällen decken sie allerdings nicht den eigentlich erforderlichen Gesamtbereich ab. Es sind meist schlicht zu viele erforderlich, um wirklich flächendeckend zu überwachen. Aus Budgetgründen werden daher Kompromisse gemacht und nicht selten lässt sich die gesamte Installation in Frage stellen. In der Vergangenheit konnte man Panoramakameras mit Fisheye-Kameras gleichsetzen. Diese waren die einzig verfügbaren Modelle. In den letzten Jahren hat sich in diesem Segment allerdings eine Menge getan.

Was sind Panoramakameras?

Einfach gesagt: Panoramakameras erfassen einen sehr viel breiteren Betrachtungswinkel als herkömmliche Kameras. Bei einer Wandmontage bis zu 180° und bei Deckenmontage bis zu 360° Übersicht. Eine einzelne Kamera kann so zur flächendeckenden Überwachung von Aktivitäten, Situationen oder zur Nachverfolgung von Personen eingesetzt werden.

Was sind die Vorteile?

Der größte Vorteil ist die Erfassung weiter Bereiche mit nur eine Kamera. Richtig positioniert ist das Einsparungspotential groß. Durch den Gebrauch von Panoramakameras müssen Anwender nur in ein Netzwerkkabel und in den meisten Fällen in eine IP-Adresse investieren. Das reduziert auch die Kosten für Softwarelizenzen und das Videomanagement. Auch die Installationskosten lassen sich mit nur einer Kamera deutlich verringern.

Welche Typen von Panoramakameras gibt es?

Einzel-Sensor-Panoramakameras (Fisheye):

Diese Kameras, mit bis zu 12 Megapixel Sensor-Auflösung, können in kleineren Indoor-Bereichen wie bspw. Einzelhandelsgeschäften gut genutzt werden. Bei der Montage an der Decke eines Ladens ist es möglich ein 360°-Bild zu generieren. Werden sie an der Wand montiert, so liegt der Erfassungsbereich bei 180°.

Allerdings ist die hohe Auflösung des Sensors nur teilweise nutzbar. Das erzeugte Bild auf dem Sensor ist rund, nutzt somit also nicht die volle Sensorfläche. Auch werden oftmals Bereiche erfasst, bspw. entlang der Decke, die wenig forensischen Wert bringen.

Es gilt die Faustregel: Sehr gut für die Übersicht, weniger geeignet für die Identifikation.

Eine interessante Neuerung in diesem Bereich sind Kameras mit Stereographischen Fisheye-Objektiven. Bei diesen ist das Objektiv so verändert worden, dass die Auflösung in den Außenbereichen des (runden) Bildes deutlich größer ist als im Zentrum. Modelle mit diesem Objektiv sind bei Deckenmontage, verglichen mit den Standard Fisheye-Modellen, deutlich besser in der Lage Details einer Person zu erfassen.

Multi-Sensor-Panoramakameras:

Diese weitere Untergruppe der Panoramakameras verfügt über mehr als einen Sensor. Typisch sind hier drei oder vier Sensoren, die für eine höhere Pixeldichte sorgen. Die Sensoren in der Kamera sind mechanisch verbunden und so angeordnet, dass sie gemeinsam einen weiten Bereich abdecken können. Man kann die Sensoren einzeln abrufen und die Videostreams separat speichern oder je nach Modell auch durch sogenanntes Stitching eine nahezu nahtlose Panoramadarstellung in einem einzigen Stream bekommen.

In den meisten modernen Videomanagementsystemen fällt für diese Kameras ebenfalls nur eine Gerätelizenz an, statt wie früher üblich nach der Anzahl der Videokanäle bzw. Sensoren zu lizensieren.

Multidirektionale Panoramakameras:

Auch in dieser Gruppe der Panoramakameras kommen mehrere Sensoren zum Einsatz: Bis zu vier Stück können individuell ausgerichtet werden und bieten größtmögliche Flexibilität. Der Kunde kann selber entscheiden, ob er eine 360° Übersicht abdecken oder einzelne Bereiche unter Nutzung verschiedener Brennweiten und ggf. sogar im Korridorformat abbilden möchte. Foyers von Hotels, Korridore in Bürokomplexen oder Krankenhäusern, oder an Außenecken von Gebäuden – der Anwendung sind fast keine Grenzen gesetzt. Kombiniert mit IR-Beleuchtung im Gerät wächst diese Kategorie im Weltmarkt am stärksten.

Auch diese Geräte profitieren von den günstigen Gerätelizenzen. Die einfache Installation kombiniert mit der großen Flexibilität ermöglicht erhebliche Einsparungen.

Multidirektionale Panoramakameras mit PTZ:

Einzeln betrachtet hat jede Kamera ihre Grenzen: Die PTZ Kamera eignet sich weniger zur Darstellung einer kompletten Übersicht und der Panoramakamera mangelt es an optischem Zoom. Kombiniert man die beiden Geräte und fasst sie in einer Kameraeinheit zusammen, erreicht man eine sehr große Flexibilität. Einem Systemoperator wird so die Möglichkeit gegeben, interessante Bildbereiche aus der Übersicht heraus mit einer sehr hohen Detailgenauigkeit zu betrachten und im Bedarfsfall die richtigen Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Besonders beliebt ist diese Kamerakombination in der Überwachung von Ballungszentren, größeren Events oder weitläufigen Industriearealen, wie z.B. Güterbahnhöfe.

Professionelle Planung ist wichtig!

Auch für die Erweiterung bestehender Systeme eignen sich Panoramakameras. Die vorhandene Verkabelung kann weiterverwendet werden. Es gilt lediglich zu prüfen, ob die Spannungsversorgung hinsichtlich der erforderlichen PoE-Klasse ausreichend ist.

Auch wenn die Panoramakameras immer besser, flexibler und insgesamt betrachtet günstiger werden: Man kommt auf Sicht nicht ohne die traditionellen Kameratypen aus. Es ist nach wie vor von elementarer Bedeutung eine Videoanlage professionell zu planen und zu bestimmen wie sich der maximale Nutzen für den jeweiligen Anwendungsfall erreichen lässt.

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