Das Problem der Lärmbelästigung in Smart Cities anpacken

Lärmbelästigung ist die zweitgrößte Umweltbedrohung für die menschliche Gesundheit in der heutigen Zeit. Das klingt jetzt bestimmt für einige Leser überraschend. Zugegeben, es kann nervig sein, das ständige Dröhnen des Verkehrs oder die Musik aus einem Club in den frühen Morgenstunden zu hören, aber die zweitgrößte Gefahr? Leider ist das sehr wohl der Fall. Tatsächlich schätzte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch 2018, dass allein in Westeuropa bis zu 1,6 Millionen gesunde Lebensjahre durch Lärmbelästigung verloren gehen. Drei Jahre später, unter Berücksichtigung aller Lärmquellen auf globaler Basis, ist es unvermeidlich, dass die Situation noch schlimmer ist.

Aber wie kann Lärm eine solche Bedrohung darstellen und sich so auf die Gesundheit auswirken, statt die Menschen nur „leicht“ zu frustrieren? Ein allgemein bekanntes Problem ist der Zusammenhang mit der Erhöhung von Stress, aber hinter der Lärmbelästigung steckt weit mehr als nur das. Zu den körperlichen Auswirkungen, die mit Lärmbelästigung in Verbindung gebracht werden, gehören Atembeschwerden, Bluthochdruck, Gastritis, Kolitis (Dickdarmentzündung) und sogar Herzinfarkte. Und das ist nicht einmal eine erschöpfende Liste. All das kann durch so einfache Dinge wie überfliegende Flugzeuge, den täglichen Verkehr oder Bauarbeiten in der Nähe verursacht werden.

Dieses ganze Phänomen wird mit der frühesten menschlichen Evolution in Verbindung gebracht. Unsere Hirnstämme haben sich so entwickelt, dass sie beim geringsten abnormalen Geräusch in eine Kampf- oder Fluchtreaktion übergehen. Heute kann die gleiche „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion unbewusst durch Presslufthämmer, Lastwagen und Kräne ausgelöst werden. Berichten zufolge wird die Bedrohung immer schlimmer: Die Beschwerden der Bürger haben sich in einigen Städten – in diesem Fall Vancouver – zwischen 2019 und 2020 verdoppelt.

Wenn Sie sich an eine Zeit in den letzten Jahren erinnern können, in der Sie aus der Stadt an einen ruhigen Ort gefahren sind und sich aufgrund der plötzlichen Stille seltsam gefühlt haben, liegt das wahrscheinlich an einer übermäßigen Lärmbelästigung.

Aktuelle Reaktionen auf das Problem der Lärmbelästigung

Rick Scholte von Sorama

Wir haben uns kürzlich mit Rick Scholte, CEO von Sorama, einem niederländischen Hightech-Unternehmen, Partner von Axis und Experte auf diesem Gebiet, getroffen, um über Lärmbelästigung zu sprechen. Rick Scholte ist der Meinung, dass die meisten Smart Cities, die versuchen, das rasant wachsende Problem der Lärmbelästigung in den Griff zu bekommen, dies mit minderwertiger Technologie tun. Nämlich mit, wie er sie nennt, ‚dummen Dezibelmessern‘: „Diese Geräte sind sehr begrenzt. Sie können zwar feststellen, wenn eine bestimmte Dezibelschwelle durch etwas in ihrer Umgebung überschritten wird, aber sie sind völlig unfähig, die Quelle zu lokalisieren oder zu verstehen, was das spezifische Geräusch verursacht haben könnte.“

Rick weist auf ein weiteres Problem hin, nämlich dass einige Städte sich der Lärmbelästigung nicht bewusst und einige sogar unmotiviert sind, herauszufinden, dass sie Probleme zu lösen haben: „Ich kannte jemanden, der für eine Stadt einige Lärmmessungen durchgeführt hat. Sie hatten eine Menge dieser Dezibel-Messgeräte in der ganzen Stadt platziert und stellten fest, dass diese eine Kreuzung viel lauter war als alle anderen – sie zeigte deutlich höhere Werte an. Leider war man nicht in der Lage, die Quelle des Problems zu identifizieren. Da man nicht über das nötige Budget verfügte, um das Problem anzugehen, versuchte man, es ganz zu vermeiden, indem man das Messgerät etwa 30 Meter zurücksetzte, um einen leiseren Messwert zu erhalten! Typischerweise sieht man, dass Mitarbeiter von Kommunalverwaltungen aufgrund begrenzter Ressourcen und Kenntnisse oder mangelnder Unterstützung durch ihre Vorgesetzten nicht wissen, wie sie die Lärmbelästigung bekämpfen sollen.

Diese ungenauen und manchmal geradezu irreführenden Informationen werden dann alle fünf Jahre zu einer Lärmkarte zusammengestellt. Diese Karten sind statisch und können gekauft werden, was jedoch auch bedeutet, dass sie schnell völlig veraltet sind. Der derzeitige Ansatz zur Bekämpfung der Lärmbelastung ist, gelinde gesagt, nicht optimal.“

Wie sollten wir Lärm analysieren?

Akustische Sensoren und Monitore – wie die von Sorama entwickelten – sind der Schlüssel. Diese intelligenten Geräte funktionieren auf eine Art und Weise, die mit einer Wärmebildkamera vergleichbar ist. Durch die Verwendung einer Vielzahl kleiner, hochwertiger Mikrofone kann ein Akustiksensor eine genaue Visualisierung dessen erstellen, woher ein Geräusch kommt, wie laut es ist, an welchem Punkt die Lautstärke abfällt und noch vieles mehr. Durch den Einsatz dieser Technologie werden intelligente Städte in der Lage sein, die Quelle eines bestimmten Geräuschs zu lokalisieren, sei es eine Baustelle oder eine aufdringliche Lärmbelästigung.

Um ein konkreteres Beispiel zu nennen: Nehmen wir an, eine intelligente Stadt stellt fest, dass jeden Tag von genau 17.00 – 17.30 Uhr eine Kreuzung zu einem erheblichen Lärmbelästigungsproblem für die Anwohner in der Nähe wird. Die Stadt kann mithilfe der akustischen Sensoren erkennen, dass es sich dabei speziell um die Geräusche des Verkehrs handelt, der aus einer bestimmten Richtung kommt. Man stellt fest, dass diese Kreuzung den Ansturm der Menschen, die von einem Arbeitstag nach Hause kommen, einfach nicht bewältigen kann. Eine kurzfristige Lösung könnte sein, diese Informationen zu nutzen, um die Steuerung der Ampeln zu ändern. Die Fahrspuren, die durch den starken Verkehr, der ständig anhält und beschleunigt, am lautesten sind, werden freigegeben und so für den besten Verkehrsfluss und die geringste Lärmbelastung optimiert. Längerfristig könnten Kreuzungen komplett umgestaltet werden.

Neugierig, wie intelligente Systeme das Verkehrsmanagement unterstützen?

Darüber hinaus ermöglichen die Informationen von akustischen Sensoren, die rund um die Uhr laufen, einer intelligenten Stadt eine transparentere Kommunikation mit ihren Bürgern, indem sie live über Lärmpegel berichten, ähnlich wie es einige Städte mit der Luftqualität tun. Dies würde zu einer größeren Verantwortlichkeit für städtische Initiativen zur Bewältigung des Problems führen und es den Bürgern ermöglichen, den Fortschritt bei bekannten Lärmbelästigungsproblemen zu überprüfen.

Der zusätzliche Wert der Integration von Videoüberwachung mit Geräuschanalyse

Die Kombination aus hochwertigen Akustiksensoren von Sorama und KI, die verwertbare Daten sammeln kann, ist ein wesentlicher Bestandteil jeder konzertierten Aktion zur Reduzierung der Gefahren durch Lärmbelästigung in einer Smart City. Ergänzt man vernetzte Überwachungskameras mit akustischen Sensoren, bringt das weitere Vorteile mit sich. Zwei Sinne zusammen – Sehen und Hören – ergeben eindeutig ein umfassenderes und genaueres Bild einer Situation.

Die Daten des Akustiksensors könnten beispielsweise PTZ-Videokameras (Schwenken, Neigen, Zoomen) automatisch und präzise auf bestimmte Geräuschquellen ausrichten und so eine visuelle Verifizierung eines Problems und eine weitaus bessere Reaktionszeit auf eine eskalierende Situation ermöglichen. Ein plötzlicher Anstieg der Geräusche – zum Beispiel erhobene Stimmen oder Autohupen – könnte eine frühe Warnung vor einem Vorfall liefern, bevor dieser eskaliert. Oder das Zerspringen von Glas könnte die Kamera auf einen potenziellen Raubüberfall oder Vandalismus aufmerksam machen. Neben Ad-hoc-Vorfällen können die visuellen Daten, die von Videoüberwachungskameras über längere Zeiträume erfasst werden, zusätzliche Einblicke in spezifische Quellen der Lärmbelästigung liefern.

Zurück zu unserer stark befahrenen Kreuzung: Während der Lärm am frühen Morgen durch Bau- und Lieferfahrzeuge verursacht wird, könnte es sich am Abend um den Pendlerverkehr handeln. Die Fähigkeit, die unterschiedlichen Lärmquellen visuell detailliert zu identifizieren, wird zu weitaus genaueren und wirkungsvolleren Maßnahmen zur Linderung führen. So könnte eine Stadtverwaltung beispielsweise beschließen, Prioritäten zu setzen, um den Einsatz leiserer Elektrofahrzeuge für Lieferungen im näheren Umkreis zu beschleunigen oder die Größe von Baufahrzeugen zu begrenzen.

Diese Vorteile können genutzt werden, ohne dass die bestehende Überwachungsinfrastruktur aufgerüstet oder ersetzt werden muss. Die Verwendung von Überwachungskamera-Netzwerken, die auf offener Technologie basieren, macht sie zu einer nahezu unbegrenzt skalierbaren Lösung. Sie kann leicht mit akustischen Sensoren aufgerüstet werden und ermöglicht es den Betreibern, sofort mit der Analyse der Lärmbelastung zu beginnen und eine Strategie zu entwerfen.
Wenn wir eine gesunde, intelligente und nachhaltige Zukunft für die Menschheit sicherstellen wollen, dann ist es zwingend notwendig, dass wir uns der Gefahren der Lärmbelästigung bewusst werden und wie wir sie bekämpfen können.

Erfahren Sie mehr darüber, wie Axis intelligente Städte bei der Umweltüberwachung unterstützen kann:

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